Zu niedrige Frauenpensionen: AK Oberösterreich fordert Fairness und Sicherheit im Alter

Anerkennung, Sicherheit und Gleichheit sind wichtige Ziele eines solidarischen Sozialstaates und damit auch des Pensionssystems. Arbeitnehmerinnen dürfen in der Pension nicht von Altersarmut betroffen sein.

AK-Vizepräsidentin Elfriede Schober

Linz (OTS) Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise treffen Frauen besonders stark. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit reduzieren ihr Erwerbseinkommen teilweise massiv. Das hat auch dramatische Auswirkungen auf die Höhe ihrer Pension. Aber nicht nur das Corona-Virus kann langfristig für Frauen böse finanzielle Überraschungen bringen. Lange Teilzeitarbeitsphasen, Kindererziehungs- und Pflegezeiten und der lebenslange Durchrechnungszeitraum tragen ebenfalls entscheidend zu niedrigen Frauenpensionen bei. AK-Vizepräsidentin Elfriede Schober fordert unter anderem eine höhere Bewertung der Familienauszeiten und eine Pensionsberechnung auf Basis der besten 15 Einkommensjahre.

Der stärkste Beschäftigungsrückgang und größte Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 70 Jahren trifft Frauen besonders. Die Zahl der arbeitslosen Frauen lag in Oberösterreich im Juni um 56 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Zusätzlich mussten zigtausende Frauen in den letzten Monaten Kurzarbeit in Kauf nehmen. Viele sorgen sich, ob die Rückkehr zu den gewohnten Arbeitszeiten oder gar eine Aufstockung der Arbeitsstunden möglich wird.

Dazu kommt, dass die Fraueneinkommen unverändert deutlich unter jenen der Männer liegen. Ganz besonders im Industriebundesland Oberösterreich, denn hier beträgt der Unterschied mehr als ein Drittel (36,6 Prozent). Nur in Vorarlberg ist im Bundesländervergleich der Abstand noch geringfügig größer. Und Teilzeitarbeit ist für viele Frauen fast zur Normalität geworden. In Oberösterreich arbeiteten 2017 nur mehr 48,7 Prozent der Frauen Vollzeit. Oberösterreich liegt damit im Bundesländervergleich im hinteren Drittel.

Nicht nur lange Phasen der Teilzeit und Berufsunterbrechungen (Kindererziehung und/oder Pflege und Betreuung von Angehörigen) führen zu Versicherungslücken und drücken die spätere Pensionshöhe. Zusätzlich hat die Pensionssicherungsreform von 2003 für die Frauen eindeutig Verschlechterungen gebracht. Denn die „Lebensdurchrechnung“ schmälert die ohnehin schon geringen Frauenpensionen noch weiter. Im Vorjahr betrug die durchschnittliche Pensionshöhe aller Direktpensionen (ohne Hinterbliebenenpensionen) der unselbständig beschäftigten Frauen in Oberösterreich 1.085 Euro und lag damit um beinahe 900 (!) Euro unter jenen der Männer (1.981 Euro). Auf das Jahr gerechnet macht das rund 12.500 Euro aus!

Für AK-Vizepräsidentin Elfriede Schober ist klar: „Anerkennung, Sicherheit und Gleichheit sind wichtige Ziele eines solidarischen Sozialstaates und damit auch des Pensionssystems. Arbeitnehmerinnen dürfen in der Pension nicht von Altersarmut betroffen sein.“ Die AK Oberösterreich fordert daher folgende Maßnahmen:

  • Mindesteinkommen anheben
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
  • Angleichen der Arbeitszeiten in Richtung kürzere Vollzeit für alle
  • Faire Gestaltung der Arbeitsbedingungen in den Pflege- und Betreuungsberufen
  • Ausbau der Kinderbetreuungsangebote: mehr Plätze, längere Öffnungszeiten
  • bessere Bewertung der Kindererziehungs- und Pflegekarenzzeiten für die Anrechnung auf die Pension
  • Verzicht auf die schlechtesten Versicherungsjahre für die Pensionsberechnung oder Heranziehen der besten 15 Jahre für den Durchrechnungszeitraum
  • Den Einzelrichtsatz für die Ausgleichszulage in der Pension (2020: 966,65 Euro netto pro Monat) anheben, um über den Wert der Armutsgefährdungsschwelle (2018: 1.079 Euro) zu kommen.

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Ulrike Mayr, MSc
+43 (0)50/6906-2193
ulrike.mayr@akooe.at
ooe.arbeiterkammer.at

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